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Am 05.02.2021 in der Deutschen Handwerkszeitung (DHZ):

Panorama - 10.02.2021
Mit Zuversicht Grenzen einreißen

Orthopädiemechaniker setzt sich für Inklusion ein

Orthopädiemechanikermeister Ralf Brauns kennt die Hürden im Alltag für Behinderte. Das hielt ihn nicht davon ab, als erster Gehörloser die Meisterschule in seinem Beruf abzuschließen. Als Chef hat er sich besonders um Inklusion bemüht.
Von Frank Muck
Ralf Brauns setzt sich für jene ein, die es etwas schwerer haben. - © der-stadtfotograf-giessen

Ich bin mit Ralf Brauns verabredet – auf Skype. In Zeiten von Corona ist das die sichere Recherchevariante. Immerhin kann ich mein Gegenüber wenigstens hinter seinem Schreibtisch sitzend sehen – Polohemd, graue Schläfen, kurzer Vollbart, positive Ausstrahlung. Wäre ich aufs Telefon angewiesen, hätte ich ihn nicht einmal gehört, sondern nur seine Gebärdendolmetscherin. Der Orthopädiemechanikermeister ist nämlich gehörlos. So sitzen wir vor unseren Bildschirmen und können uns entspannt unterhalten.
Für jemanden wie Ralf Brauns ist genau das ganz essenziell – seine Gesprächspartner und Kunden, aber vor allem ihr Gesicht, zu sehen. Brauns ist es gewöhnt, von den Lippen abzulesen, wenn nicht gerade jemand zum Übersetzen vor Ort ist. Die Corona-Maske tragen zu müssen hat seine Arbeit deswegen deutlich erschwert. "Ich kann praktisch nicht mehr kommunizieren", sagt er. Zum Glück blieb und bleibt sein Geschäft im hessischen Herborn während der Lockdowns geöffnet.
Als medizinischer Dienstleister zählt er zur Grundversorgung. Die staatlich angeordneten Maßnahmen und die Vorsicht der Kunden, Geschäfte zu meiden, kann er dennoch gut verstehen. Zumal zu ihm auch viele Risikopatienten kommen. Umso mehr ist es ihm wichtig, gerade wenn er sich nicht mehr mit Blicken verständigen kann, eine positive Ausstrahlung zu haben. "Wir müssen sehen, wie man das Beste draus macht", sagt er und bestätigt damit seine Haltung.


Gehörlose auf andere Berufe abonniert

Ohne diese Einstellung wäre er unternehmerisch kaum erfolgreich gewesen. Selbst wenn es heute selbstverständlich erscheint, dass ein Gehörloser ein Geschäft führt, war die Behinderung eine große Hürde in der Ausbildung und beim Meisterbrief. Brauns, der gehörlos zur Welt kam, wuchs im mittelhessischen Herborn auf und ging auf eine Gehörlosenschule ins benachbarte Friedberg.
Von Inklusion war damals noch nicht die Rede und so blieb ihm nichts anderes übrig, als jeden Tag rund anderthalb Stunden Fahrt hin und zurück auf sich zu nehmen. Für seine Eltern war die Behinderung des Sohnes nie ein Hindernis, speziell wenn es darum ging, wer das Orthopädiegeschäft übernehmen sollte. Vater Curt Brauns hatte 1969 den Betrieb gegründet.
Für Ralf Brauns selbst war dieser Schritt dennoch nicht selbstverständlich. Zu jener Zeit, erinnert er sich, waren Gehörlose eher auf Berufe wie Zahntechniker abonniert, weil sie dort weniger auf Kunden treffen würden. Ohne den elterlichen Betrieb hätte er, gibt er heute zu, vielleicht der Zahntechnik den Vorzug gegeben. Doch Brauns entschied sich für den schwierigeren Weg und lernte Orthopädietechnik in einem Betrieb in der Nähe von Kassel.
Nach der Ausbildung sammelte er sechs Jahre lang Erfahrungen in einem Unternehmen im Frankfurter Raum, um sich 1996 für die Meisterausbildung an der Bundesfachschule für Orthopädie-Technik in Dortmund anzumelden. Tatsächlich war er der erste Gehörlose in der Geschichte der Schule, der den Meister machen würde.
Beinahe an der Aufnahme gescheitert
Der Weg dorthin war alles andere als einfach. Schon an der Aufnahmeprüfung wäre er beinahe gescheitert. Weil ihm einiges an theoretischem Wissen fehlte, fiel Brauns durch. Aufgeben war für ihn aber keine Option. Nach viel Büffeln hat es beim zweiten Versuch geklappt. Unterstützt hat ihn vor allem Stefan Bieringer. Brauns ist dem Schuldirektor sehr dankbar. Ohne ihn wäre ihm vielleicht die Puste ausgegangen. Denn die Aufnahme auf die Schule war nur die erste Hürde.
Dem Unterricht zu folgen, war für ihn als Gehörlosen ungleich anstrengender. Im Gegensatz zu seinen Mitschülern musste sich Ralf Brauns im Unterricht statt mitschreiben zu können auf die Dolmetscherin konzentrieren. Die jedoch stand meist nur am Vormittag zur Verfügung. Nachmittags, bei der praktischen Arbeit, war Brauns auf sich allein gestellt, ebenso bei Vorträgen am Abend. Brauns spielte mit dem Gedanken hinzuschmeißen.
Darauf bot ihm Stefan Bieringer Hilfe an. Brauns könne jederzeit mit Fachfragen zu ihm kommen. "Er war bereit, sich die Zeit zu nehmen und mir Inhalte noch einmal zu erläutern", erinnert er sich. Bieringer besorgte zusätzliches Unterrichtsmaterial. Viele andere Lehrkräfte griffen Brauns ebenfalls unter die Arme, aber vor allem Bieringer war darum bemüht, dass Brauns die Meisterschule erfolgreich beendete. Nach zwei Jahren konnte Brauns als erster Gehörloser die Meisterprüfung als Orthopädiemechaniker- und Bandagistenmeister ablegen.
Neben der Unterstützung seiner Eltern hat ihm vor allem auch seine eigene Zuversicht geholfen. Brauns geht immer davon aus, dass etwas funktionieren wird. Als Chef versucht er diese Haltung auch im Betrieb umzusetzen und gibt die Unterstützung, die ihm zuteil wurde, an seine Mitarbeiter weiter. Natürlich auch aufgrund eigener Erfahrungen legt er ein besonderes Augenmerk auf Integration. Vier seiner 13 Beschäftigten sind schwerbehindert. 2019 erhielt Brauns für sein Engagement den hessischen Landespreis für Integration schwerbehinderter Menschen.

Barrierefreiheit längst nicht erreicht

Als Chef versucht er, auf die besonderen Bedürfnisse seiner Mitarbeiter einzugehen. Zuweilen sei das nicht einfach, wie er zugibt. "Das muss immer wieder ausprobiert werden", sagt er und manchmal funktioniere es auch nicht.
Was jedoch nicht unbedingt immer am Betrieb selbst liege. Auch die Behörden stünden dem guten Gelingen zuweilen im Weg, erzählt er. Mit dem Integrationsamt habe er den ein oder anderen Kampf ausgefochten – auch was die Unterstützung seiner eigenen Arbeit angeht. Die Bereitstellung von Dolmetschern etwa oder die Förderung technischer Geräte, die ihm die Arbeit erleichtern, sei nicht selbstverständlich.
Doch Brauns arbeitete nach und nach an einer Verbesserung und ist inzwischen sehr zufrieden mit der Situation. Geholfen habe der persönliche Kontakt. Die Sachbearbeiter lud er ein, sich selbst ein Bild zu machen. Als diese die Hürden im Alltag erleben konnten, waren sie öfter bereit, nützliche Technik zu bezuschussen.
Brauns lobt zwar die Fortschritte der Gesellschaft im Umgang mit Behinderten, etwa die inzwischen deutlich bessere Ausbildung von Gebärdendolmetschern. Dennoch sieht er viele Defizite. Das hehre Ziel der Barrierefreiheit sei längst nicht umgesetzt. Durchsagen an Bahnhöfen etwa erreichen nur die Hörenden. Bei Behördengängen – und erst recht spontanen – ist die Verständigung schwierig. "Man fühlt sich dominiert", klagt Brauns. Beschweren möchte er sich dennoch nicht. Insgesamt ist er dankbar für die große Unterstützung, die er all die Jahre bei der Arbeit und dem Führen eines Betriebs durch seine Mitarbeiter und seine Familie erfahren hat.
Kommendes Jahr will der 59-Jährige kürzertreten. 20 Jahre eine Firma zu leiten, sei anstrengend und stressig gewesen. Seine Schwester und sein Schwager werden dann die Geschäftsführung übernehmen. Gänzlich aufhören will er allerdings nicht. Brauns möchte beratend im Hintergrund agieren. Bei so viel Erfahrung wird er sicherlich gehört werden.
Brauns baut Barrieren ab
Das Orthopädie- und Sanitätshaus Brauns hat es sich bereits seit Jahrzehnten zur Aufgabe gemacht, ¬bestehende und mögliche Barrieren bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen ¬abzubauen. Der Betrieb geht auf die unterschiedlichsten Beeinträchtigungen ein. Entstehen durch eine Behinderung Fehlzeiten, übernehmen und verteilen die Kollegen die Arbeit zur Entlastung der betroffenen Mitarbeiter. Ebenso fördert Brauns gezielt den Ausgleich von Schwächen, die durch die Behinderung verursacht sind